Der Mann der Kiwifrau
Dienstag 15.11.2011 15:37 by manuela
Es ist Markttag. Und wie immer zur Mittagszeit bringe ich für meine Frau eine neue Ladung Kiwis zum Verkauf an ihren alt eingesessenen Standplatz zwischen zwei Obsthändlern.
Schon vom Parkplatz aus höre ich ihre laute Stimme über den Platz dröhnen.
„Kiwis. Schöne saftige Kiwis. In allen Reifungsstadien. Kommen sie. Kaufen sie. Eine, gibst immer umsonst bei mir.“
Während ich mich durch die Masse von Menschen schlängelte, überlegte ich gedankenversunken, wie oft sie diesen Text wohl schon in ihren 62 Lebensjahren laut gerufen hat. Man hätte dies Mal mitzählen sollen, um damit einen Rekord aufzustellen.
„Heins. Hier. Hallo“, rief sie mir wild winkend schon von Weitem zu.
Als wenn man diesen mittlerweile knallrot angelaufenen Wirbelwind mit ihren grauen Locken und den grünen Klamotten und der viel zu engen Kittelschürze die mit Kiwis bedruckt war. Jemals übersehen könnte. Wie oft habe ich schon zu ihr gesagt: „Schmeiß doch endlich den ollen Kittel weg.“
Doch jedes Mal zeterte sie nur gegen an, dass dieser ein Geschenk von ihren 22 Enkelkinder ist. Denn kann man nicht so einfach wegschmeißen.
„Heins wo warst du den nur so lange? Ich hab nur noch fünf Kisten Kiwis.“
Ja, mit dem Text könnte man es bestimmt schaffen einen weiteren Rekordversuch aufstellen.
Ich fing an meine Sackkarre voll mit Kiwikisten abzuladen „Rosaline, Schätzchen. Bei diesem Menschenandrang kann ich leider nicht schwer beladen hin und her laufen.“
Daraufhin warf sie mir nur einen kurzen Blick von der Seite zu. Für mehr hatte sie keine Zeit, weil sie schon wieder mitten in einem Verkaufsgespräch war. Ich wusste auch so das dieser Blick heißen sollte: „Ach, stell dich mal nicht so an. Die paar Kisten.“
Also machte ich mich wieder auf den Weg. Überlies meine Frau ihren Kunden und schlängelte mich mit ihrem dröhnenden Text im Kopf zurück zum Parkplatz um noch mehr Kiwis zu holen.